„Welche Macht konnte einen Namen aus der Erinnerung einer ganzen  Welt austilgen?
Lazlo wollte losziehen und es herausfinden. Das war sein Traum, kühn und großartig: dorthin zu reisen, einmal um die halbe Welt, und die Mysterien selbst lösen. Natürlich war es unmöglich.
Aber seit wann hielt das einen Träumer vom Träumen ab?“

Zitat aus "Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte" von Laini Taylor, Seite 39


KLAPPENTEXT


"Lass dich hineinziehen in eine Welt voller Träume.

Lazlo Strange liebt es, Geheimnisse zu ergründen und Abenteuer zu erleben. Allerdings nur zwischen den Seiten seiner Bücher, denn ansonsten erlebt der junge Bibliothekar nur wenig Aufregendes. Er ist ein Träumer und schwelgt am liebsten in den Geschichten um die sagenumwobene Stadt Weep – ein mysteriöser Ort, um den sich zahlreiche Geheimnisse ranken. Eines Tages werden Freiwillige für eine Reise nach Weep gesucht, und für Lazlo steht sofort fest, dass er sich der Gruppe anschließen muss. Ohne zu wissen, was sie in der verborgenen Stadt erwartet, machen sie sich auf den Weg. Wird Lazlos Traum nun endlich Wirklichkeit?" [Quelle: Bastei Lübbe Verlag]



 Rezension | unbezahlte Werbung 

Bildhaft, opulent, poetisch

Strange the Dreamer 1 - Der Junge, der träumte von Laini Taylor | Bastei Lübbe | 343 Seiten | Hardcover 15,00 € | Fantasy Jugendbuch  



Laini Taylor konnte mich schon mit ihrer Trilogie „Zwischen den Welten“ begeistern, sodass ich lange Zeit sehnsüchtig auf die Übersetzung von „Strange the Dreamer“ gewartet habe. Die Autorin zieht den Leser tief in ein märchenhaftes Reich voller Geheimnisse, Legenden und Mysterien, in dem die Grenze zwischen Traum und Albtraum fließend ist. Märchenhafte Beschreibungen untermauern die Magie und den Zauber der von Laini Taylor erschaffenen Welt. Es ist fast unmöglich, sich dem Bann des poetischen Schreibstils zu entziehen. 


"So trieb er dahin, den Kopf voller Mythen und immer halb in einer anderen Welt verloren, die aus Geschichten gesponnen war. Dämonen und Flügelschmiede, Seraphim und Geister, er liebte sie alle. (…) Denn Lazlo hatte einen Traum, der ihn beharrlich begleitete und der so sehr ein Teil von ihm geworden war, dass es sich anfühlte wie eine zweite Seele unter seiner Haut. Seine ganze Gedankenlandschaft war davon geprägt, eine zerklüftete, überwältigende Wildnis, passend zu einem kühnen, großartigen Traum.“
Zitat aus "Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte" von Laini Taylor, Seite 29

Sehnsucht nach dem Reich der Träume.

Laini Taylor gelingt es, die eigenen Sehnsüchte zu berühren und dem Leser einen Traum einzupflanzen. Denn wie Lazlo verzehrt man sich geradezu nach der vergessenen Stadt, die so viele Wunder verspricht. Die Autorin verwebt Worte zu Magie und rüttelt an verborgenen Emotionen, die in unserer Seele schlummern. Die Geschichte lebt weniger von spannenden Momenten, sondern von der Magie der Worte, die den Leser in ein Reich der Träume entführt.

„Und jetzt der Vogel. Die greifbare Nähe von Magie. Etwas, das den Verstand überstieg.
Eine unerklärliche Resonanz, eine innere Verwandtschaft. Es fühlte sich an, als würde eine Seite umgeblättert und eine neue Geschichte aufgeschlagen, umhüllt vom Schimmer einer kaum merklichen Vertrautheit.
Wie eine Erzählung, die er kannte und bloß vergessen hatte.“

Zitat aus "Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte" von Laini Taylor, Seite 85 - 86


Der Träumer und die Götterbrut.

Die Geschichte gliedert sich in zwei Erzählstränge, die sich langsam annähern. Besonders interessant ist die Darstellung der Charaktere, da Laini Taylor auf die üblichen Klischees verzichtet. Lazlo ist ein Träumer, der sein Dasein im Schatten anderer verbringt. Geschichten und Träume sind sein Leben und sein einziger Besitz. Sarai hingegen ist der Feind - stark, gefährlich und todbringend. 

"Sie starrte sich im Spiegel an und stellte fest, dass sie nicht länger fähig war, sich unbefangen
durch eigene Augen zu betrachten. Stattdessen sah sie, was die Menschen sehen würden.
Kein Mädchen, keine Frau oder die Übergangsphase dazwischen.
Man würde weder ihre Einsamkeit wahrnehmen, noch ihre Angst, ihren Mut oder gar ihre Menschlichkeit.
Was die Leute in ihr sahen, war nur Obszönität. Drohendes Verhängnis. Götterbrut.“

Zitat aus "Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte" von Laini Taylor, Seite 268

Der Wermutstropfen – Das abrupte Ende.

Laini Taylor konnte mich mit „Strange the Dreamer – Der Junge, der träumte“ verzaubern und begeistern. Nur ein Wermutstropfen bleibt, der allerdings nicht in den Händen der Autorin liegt. Im Original besteht die Reihe aus zwei Bänden, die im deutschen anscheinend gesplittet wurden. Der deutsche Reihenauftakt endet nicht mit einem Cliffhanger, sondern schlicht und einfach mitten in der Geschichte. Das ganze Buch wirkt wie ein langer Vorspann und an dem Punkt, an dem beide Erzählstränge zusammenlaufen und es spannend wird, hört die Geschichte einfach auf. Für den Leser ist dieser harte Bruch wenig nachvollziehbar und frustrierend. 


Fazit: Ein Buch zum Wohlfühlen und Träumen

„Strange the Dreamer“ ist ein Buch, das man lange im Herzen behalten wird. Laini Taylor überzeugt mit opulenten Beschreibungen und verwebt fantasievolle Elemente zu einem vielschichtigen, magischen Werk. Die Geschichte wirkt wie ein schäumendes Meer: kraftvoll, wild, unbändig und voller Sagengestalten. Jede Welle trägt eine neue Überraschung heran: Götter, Geister, Seraphim und Monster – eine Sinfonie aus Wunder und Schrecken, träumerischer Süße und todbringender Schatten.


Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte von Laini Taylor
© Zitate, Inhaltsangabe: Bastei Lübbe Verlag
© Umschlaggestaltung: Manuela Städele-Monverde
© Bild für die Rezension: Eigene Bilder sowie von Shutterstock – Roserunn,
Pixabay: monileoni, Pezibear, KRiemer, Hans, Bessi
 





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