Unglaubliche 20 Jahre lang begeistert Harry Potter nun schon große und kleine Leser. Anlässlich des Jubiläums gibt es beim Carlsen Verlag viele tolle Aktionen und Beiträge über den wohl berühmtesten Zauberer der Welt. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Orden des Phönix darf ich euch einen Teil der magischen Potter Welt näherbringen. Beim letzten Mal durfte ich euch meine liebsten Harry Potter Bücher vorstellen - die Schmuckausgaben mit Illustrationen von Jim Kay. Heute gibt es bei mir ein spannendes Interview mit der zuständigen Lektorin des Carlsen Verlags: Julia Reuter.

VITA

Julia Reuter kam 2012 als Volontärin zum Carlsen Verlag. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits ein großer Harry-Potter-Fan und so erfüllte sich schon bald ein kleiner Traum, als sie bei der Entstehung eines Harry-Potter-Schubers mithelfen durfte. Heute arbeitet Julia Reuter als Lektorin beim Carlsen Verlag und betreut neben allen Titeln von J.K. Rowling unter anderem die Autorinnen Jennifer L. Armentrout, Becky Albertalli, Erin Beaty und Marie Rutkoski.












Ihr Beruf als Lektorin bringt sicherlich viel mehr mit sich, als man es sich als Leser vorstellen kann.
Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

"Unsere „Hauptarbeit“, also das Lektorieren von Manuskripten, ist für uns nur eine von vielen Aufgaben. Wir sind in Kontakt mit Autoren, Übersetzern, Illustratoren, Literaturagenturen und Verlagen im Ausland, dazu gibt es auch viele Fragen, die verlagsintern geklärt werden müssen. Und natürlich müssen wir Vorschau- und Klappentexte schreiben. Wir denken in Programmzeiträumen, aber immer in mehreren gleichzeitig. Ich lektoriere zum Beispiel gerade ein Buch, das im Herbst 2018 erscheint, wir bereiten die Vorschau für das Programm Sommer 2019 vor und stellen bald im Haus das Programm für den Herbst 2019 vor. Manuskripte, die wir gerade prüfen, kommen erst für das Programm Sommer 2020 infrage. Die Arbeit ist unheimlich vielseitig, kein Tag ist wie der andere, aber das macht es für mich auch so spannend."


 Wie viele Manuskripte oder Projekte betreuen Sie pro Jahr?
Das ist ganz unterschiedlich, meist sind es 8-10 Originalausgaben und um die 15 Lizenzausgaben, also Taschenbücher, die schon als Hardcover erhältlich waren. Dieses Jahr, mit dem Harry-Potter-Jubiläum, waren es ein paar mehr … 


Ein neues Manuskript soll veröffentlicht werden – wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Lektorat und Autor aus?

Meist liegt das Manuskript schon vor, manchmal auch erst ein Teilmanuskript oder eine Leseprobe, wenn wir mit diesem Autor schon einmal zusammengearbeitet haben. Es gibt mehrere Lektoratsdurchgänge, erst einmal achten wir eher auf die Handlung – zum Beispiel darauf, ob der Spannungsbogen stimmt, ob die Personen glaubwürdig handeln oder ob es Logikfehler gibt. Erst im zweiten Durchgang achten wir auch auf sprachliche Einzelheiten und meist gibt es für den Feinschliff einen dritten Durchgang. Wir geben aber nur Anregungen, die finale Entscheidung bleibt natürlich beim Autor.


Wie läuft die Zusammenarbeit ab, wenn ein Manuskript übersetzt werden muss?

Dann fällt der erste Durchgang natürlich weg, denn diese Fragen hat sich schon der Lektor der Originalausgabe gestellt. Wir gehen dann den ursprünglichen Text und die Übersetzung parallel durch und prüfen, ob alles korrekt übersetzt wurde (manchmal kann ein Satz ja unterschiedlich ausgelegt werden) und ob vielleicht ein Satz fehlt. Gleichzeitig werfen wir ein kritisches Auge auf die Sprache und den Satzrhythmus – wir sind wirklich sehr genau, es geht aber immer darum, dass sich das Buch möglichst flüssig liest.


Bereits vor Ihrer Tätigkeit beim Carlsen Verlag waren Sie ein großer Harry-Potter-Fan.
Wann und wo sind sie das erste Mal auf die Reihe aufmerksam geworden?

Ich habe das erste Buch zu Weihnachten bekommen, als ich elf war – also im besten Potter-Alter! Ich habe das Buch sogleich verschlungen und die ersten drei Bände in den nächsten Jahren bestimmt siebenmal gelesen. Die Warterei auf die nächsten Bände fiel mir superschwer!



Was hat Sie am ersten Band besonders beeindruckt?

Ich fand es unheimlich spannend, die magische Welt zusammen mit Harry zu erkunden. Diese Welt ist so detailliert, es gibt einfach so viel zu entdecken! Und ich finde, was oft unterschätzt wird, ist, wie lustig die Bücher sind. Ich liebe J.K. Rowlings (und nicht zu vergessen Klaus Fritz‘) subtilen Humor und kann mich jetzt noch über manche Szenen, teilweise nur einzelne Sätze, scheckiglachen – egal wie oft ich die Bücher schon gelesen habe! Am liebsten mag ich die scheinbar unwichtigen Szenen am Frühstückstisch, die Gespräche zwischen Harry, Ron und Hermine.



Wer ist Ihr Lieblingscharakter?

Luna Lovegood


J.K. Rowling hat mit Harry Potter hat eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschaffen.
War dem Carlsen Verlag damals bewusst, was man da in den Händen gehalten hat?


Nein, das wusste damals keiner. Aber mit jedem Band wurde die Serie größer und größer – richtig „explodiert“ ist sie dann mit Band 4, danach gab es kein Halten mehr. Damals war Gabriele Leja die zuständige Lektorin im Carlsen Verlag, als das Manuskript von J.K. Rowling 1996 seinen Weg dorthin fand.


 
Gibt es Geschichten aus dieser Zeit, die heute jeder im Verlag kennt? 
Der Verlag war zu dieser Zeit viel kleiner und so mussten in der Hochzeit Kollegen aus allen Abteilungen Telefondienst machen, denn die Leitungen liefen rund um die Uhr heiß. Spannend war es auch, als Band 7 gedruckt wurde – immerhin waren es knapp 4 Millionen Exemplare! Die mussten auf mehrere Druckereien in ganz Europa verteilt werden, denn allein kann das in der kurzen Zeit keine einzelne Druckerei stemmen.


 
Heute betreuen Sie unter anderem die Harry-Potter-Schmuckausgaben.
Was beinhaltet diese Aufgabe?
 
Für mich ganz viele E-Mails. :)
Wir arbeiten eng mit dem Originalverlag zusammen, der uns den Seitenaufbau mit den Illustrationen schickt, in den wir dann unseren deutschen Text einfließen lassen. Das ist Aufgabe unserer Herstellungsabteilung, die bei solchen Projekten für mich der wichtigste Ansprechpartner ist. Weil Übersetzungen aus dem Englischen immer etwas länger sind als der Originaltext, müssen wir meist ein oder zwei Zeilen pro Seite hinzufügen oder die Schrift etwas verkleinern. Denn gekürzt wird der Text natürlich nicht. Außerdem ist die Agentur von J.K. Rowling in jedes Projekt involviert. Und es gibt viele Fragen aus unserem Vertrieb und Marketing, die es zu klären gibt.

 

Abgesehen von den eigentlichen sieben Bänden der Reihe,
welches Buch können Sie jedem Harry Potter Fan ans Herz legen?


Ein Buch, das ich wirklich wärmstens empfehlen kann, ist gerade erst erschienen: Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie. Es beleuchtet die Unterrichtsfächer in Hogwarts und bringt sie in einen historischen Kontext, was ich total faszinierend finde – vor allem enthält es aber ganz viele Originalzeichnungen und handgeschriebene Textentwürfe von J.K. Rowling. Besonders der detaillierte Plotentwurf des fünften Bandes hat mich begeistert – hier sieht man wirklich eine Meisterin des Fachs bei der Arbeit.



Hand aufs Herz:
Wie viele unterschiedliche Harry Potter Ausgaben haben Sie Zuhause im Regal stehen?
 
Drei: die deutschen, die englischen und die illustrierten Schmuckausgaben
– eine davon signiert von Jim Kay!








© Buchcover: Carlsen Verlag
© Zitate und Bild der Lektorin: Julia Reuter
© Bild für Collagen: Pixabay, FelixMittermeier




 

JULIA REUTERS EMPFEHLUNG:

Harry Potter - Eine Geschichte voller Magie


https://selectionbooks.blogspot.com/2018/06/harry-potter-eine-geschichte-voller.html


„Harry Potter – Eine Geschichte voller Magie“ ist anlässlich des zwanzigsten Jubiläums erschienen und punktet mit vielen interessanten Hintergrundinformationen und AbbildungenMehr erfahren →



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