[INTERVIEW] mit Teri Terry auf der FBM 2016



Als ich erfahren habe, dass ich Teri Terry zusammen mit drei anderen Bloggerinnen interviewen darf, bin ich vor Freude total ausgeflippt. Ich liebe die Bücher von Teri Terry, vor allem die Gelöscht-Trilogie. Auf der Frankfurter Buchmesse war es dann soweit. Wir durften die Autorin abwechselnd mit unseren Fragen löchern :D










Treffen mit Teri Terry (oben, mitte) auf der FBM 2016


Danke, dass Sie sich mit uns für das Interview getroffen haben! „Book of Lies“ unterscheidet sich ziemlich von Ihren anderen Büchern. Sie benutzen jetzt auch Fantasy-Elemente. Wussten Sie von Anfang an, dass Sie diesmal etwas anders machen wollten und woher kam die Idee? 

Nein, anfangs hatte ich es nicht so geplant. Ich wollte zunächst erst einmal etwas schreiben, dass sich von meinen früheren Büchern abhebt. Dafür gibt es eigentlich 2 Gründe. Erst einmal wird das Schreiben natürlich dadurch interessanter, dass man verschiedene kreative Ansätze benutzt. Zweitens wird man als Autorin aber auch schnell in eine Schublade gesteckt. Dann denken die Leute, man schreibt immer die gleiche Sorte Buch. Das wollte ich unbedingt vermeiden und habe mich mit Absicht an etwas Neuem versucht. Trotzdem wusste ich nicht gleich von Anfang an, welche Elemente ich in der Geschichte verarbeiten würde. Ich wollte etwas Neues und Interessantes schreiben. Erst später während des Schreibens ging das Buch in diese eher übersinnliche Richtung.  


Beim Lesen hat man auch oft das Gefühl, dass die Handlungen und Gedanken sehr außergewöhnlich sind. Immer wieder denkt man sich als Leser: So hätte ich mich nicht verhalten. War das ein Effekt, den Sie so von Anfang an geplant hatten? 

Ich denke, damit die Geschichte überhaupt funktioniert, müssen viele Dinge zunächst erst offenbleiben. Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? Nur so kann die Geschichte ihren Reiz entfalten. Wüsste man von Anfang an, was mit Piper passiert, dann gäbe es keinerlei Spannung. Ich habe bewusst eine Erzählperspektive gewählt, in der die Erzählerrolle den Leser verunsichert. Bei Quinn habe ich mich dann selbst gefragt, ob es den Lesern gefallen würde. In mancher Hinsicht beschreibe ich schließlich einfach einen aufgewühlten und launischen Teenie! Als Autorin fragt man sich ja immer: Mit welchem Charakter kann man sich am ehesten identifizieren? Am Ende war es aber doch so, dass ich mit Quinn die größte Verbindung gespürt habe. Und der Grundgedanke, wie die Geschichte funktionieren soll, der war von Anfang an da. 


Was würden Sie tun, wenn Sie an Zaks Stelle wären? Würde Sie Piper und Quinn für all die Lügen vergeben? Am Ende hat er ja alles erfahren. 

Das ist eine echt schwierige Situation für ihn. Ich denke, wenn er wirklich versteht, wieso die Dinge so passiert sind, kann er ihr Verhalten vielleicht nachvollziehen. Aber jemandes Handlungen nachvollziehen zu können ist immer noch etwas Anderes als jemandem dafür auch zu vergeben. Die Frage kann ich also nicht so einfach beantworten. Ich denke, Zaks Hintergrundgeschichte spielt da auch eine große Rolle. Es gibt auch Situationen, in denen man Anderen vergeben möchte, aber es einfach nicht kann. 


Wie war es für Sie, aus der Perspektive dieser manchmal ja fast ein wenig unsympathischen Protagonisten zu schreiben? Vor allem im Vergleich mit Luna oder Kyla?

Es war auf jeden Fall neu und anders für mich. Aber interessanterweise war es wirklich so, dass ich mich mit Quinn fast noch am besten identifizieren konnte. Vor allem, weil es um Zwillinge ging, war es wichtig, dass sie sich zumindest in einem gewissen Maße ähneln. Sonst wäre es nicht glaubwürdig gewesen, dass sie sich zum Beispiel füreinander ausgeben. Gleichzeitig mussten sie aber auch Unterscheide aufweisen, damit sie als Charaktere individuell bleiben und auch vom Leser so unterschieden werden können. Es war das erste Mal, dass ein Buch von mir veröffentlich wird, in dem es verschiedene Erzählperspektiven gibt. Meine neue Trilogie hat auch verschiedene Perspektiven, das gefällt mir wirklich gut. Aber beim Schreiben ist es natürlich eine Herausforderung, diese Perspektiven individuell klingen zu lassen. 


Wie war das bei Ihrer letzten Buchserie? Haben Sie die Geschichte vorher genau geplant oder haben sich die meisten Dinge erst während des Schreibens ergeben? 

Das ist immer ganz unterschiedlich, ehrlich gesagt. Vor einigen Jahren noch habe ich eher weniger vorausgeplant, da habe ich einfach drauf los geschrieben und mich treiben lassen. Aber irgendwann muss man dann auch mal innehalten und nachdenken. Heute plane ich wesentlich mehr, bevor ich schreibe. Seit „Slated“ (Gelöscht-Reihe) teile ich die Geschichte für mich selbst in Einzelpartien ein. Ich habe dann vor dem Schreiben eine Grundidee für die gesamte Erzählung und was in welchem Teil ungefähr vorkommen wird. Das hat natürlich auch etwas damit zu tun, wie lange am Stück man schreibt. Wenn man viel Zeit hat, kann man große Teile einer Geschichte auf einmal schreiben. Aber wenn man immer mal wieder eine Pause einlegt, wird es ohne Planung schwer, nicht den Faden zu verlieren. Hinterher kann man mit einem Plan wesentlich besser nachvollziehen, was schon erwähnt wurde und ob die einzelnen Teile sich gut zu einer Geschichte zusammenfügen. 


Wenn Sie jetzt einmal an alle Charaktere denken, denen Sie in Ihren Büchern Leben eingehaucht haben – welchen mögen Sie am liebsten? 

So eine Frage finde ich furchtbar schwierig zu beantworten. Fragen wie „Welches ist Ihr Lieblingsbuch/Lieblingscharakter?“ – das erinnert so an „Welches Ihrer Kinder mögen Sie am liebsten?“ Auf so eine Frage gibt es keine richtige Antwort, weil man natürlich alle Kinder oder eben Charaktere gleich liebhat. Ich vergleiche meine Bücher eher mit Beziehungen. Wenn man an einem Buch arbeitet, dann ist das erst einmal der Dreh- und Angelpunkt der Arbeit, man denkt nur noch an die Geschichte und Charaktere. Genau wie man in einer neuen Beziehung viel an den neuen Partner denkt. Aber ist es vorbei, und man hat etwas Neues, dann verblasst das Alte ein bisschen. Natürlich haben manche Charaktere einen besonderen Platz im Herzen. Kyla ist natürlich etwas Besonderes, weil ihre Geschichte mein erstes veröffentlichtes Buch war. Außerdem ist sie in gewisser Hinsicht auch eine Art Urform für meine anderen Charaktere. Sie versinnbildlicht die Vielschichtigkeit, die Personen in Büchern überhaupt erst Leben einhaucht. Gute Menschen machen schlechte Dinge, schlechte Menschen gute Dinge. Das macht eine Geschichte ja erst interessant! 


Haben Sie auch alte Manuskripte zuhause, die aber nie veröffentlich wurden? 

Oh ja, einige. Viele davon haben keine echte Perspektive, noch einmal weiterentwickelt zu werden. Je länger man schreibt, desto besser wird man darin. Das trifft zumindest bei mir sehr zu. Manche Dinge finde ich aus heutiger Sicht einfach nicht mehr gut. Aber ich habe auch zwei, drei Ideen in der Schublade, die ich gerne nochmal aufgreifen würde, wenn es die Zeit erlaubt. Letztendlich macht es aber viel mehr Spaß, etwas ganz Neues zu schaffen, als etwas Altes nochmal aufzuwärmen. Ein etwas kürzerer Roman ist eigentlich fast fertig, aber auch den müsste ich nochmal überarbeiten. 


Lassen Sie uns mal über die Büchercover sprechen. Die deutschen Cover sehen ja zum Beispiel ganz anders aus als die Originale. Haben Sie da einen Favoriten? 

Eigentlich finde ich sie alle schön. Auf jeden Fall ist es noch nicht vorgekommen, dass ich ein Cover komplett unpassend fand. Bei Mindgames war ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich die Geschichte widerspiegelt. Wobei ich da die brasilianische Version super fand. Ich mag es auch, wenn sich die Cover ein bisschen untereinander ähneln, etwa wenn überall das Thema Auge zu sehen ist. 


Welches Ihrer Bücher würden Sie gerne als Film im Kino sehen? 

Alle natürlich! 


Aber wenn Sie sich für eins entscheiden müssten? 

Wahrscheinlich würde ich Slated nehmen. Als Trilogie eignet es sich natürlich super für das Kino. Und ich finde auch, dass sich die Geschichte leichter verfilmen lässt als etwa Mindgames. Es gäbe sicher Möglichkeiten, auch das auf die Leinwand zu bringen, aber persönlich stelle ich es mir schwierig vor. 


Können Sie uns in der Hinsicht auf die Zukunft noch etwas mehr verraten?

Ein bisschen geheimnistuerisch muss ich schon sein. Aber was ich sagen kann: Meine neue Trilogie erscheint bald bei meinem Verlag, im Spätsommer oder Herbst. Die Geschichte spielt in Schottland und Nordengland. Ich liebe die Landschaften dort. Die neue Trilogie fühlt sich fast ein bisschen dystopisch oder apokalyptisch an. Die Geschichte spielt aber im Hier und Jetzt, nicht in der Zukunft. Die Welt ist anfangs noch so, wie wir sie kennen. Aber dann geschieht etwas, dass alles verändern wird. Das erste Buch heißt Contagion – auf Deutsch also Infektion oder Verseuchung. Das verrät ja schon ein bisschen was über den Inhalt. 


Was hat Sie zu diesem Thema inspiriert? 

Ich kann und will nicht zu viel verraten, aber es geht schon ein bisschen in Richtung Science Fiction. Technik und Wissenschaft sind auf jeden Fall wichtige Themen, wobei bei mir wie immer die Charaktere im Vordergrund stehen werden. Am Anfang steht das Verschwinden eines Mädchens. Sie ist seit einem Jahr spurlos verschollen und ihr Bruder versucht, sie zu finden. Ein anderes Mädchen sieht zufällig einen Aufruf mit dem Foto der Verschwundenen und erinnert sich, sie gesehen zu haben. Von da entwickelt sich die Geschichte dann. Auch hier ändern sich im Laufe der Geschichte wieder die Erzählperspektiven. Das hat beim Schreiben wirklich Spaß gemacht. Einer der Charaktere, Kai, kommt übrigens aus Deutschland! Den Namen habe ich lustigerweise auf einer anderen Buchmesse in Deutschland bei einem Treffen aufgegriffen. Dort habe ich mal in die Runde gefragt, was ein schöner Name für einen attraktiven Deutschen für ein Buch wäre und die Wahl fiel auf Kai. Am Anfang bin ich ehrlich gesagt erst ein bisschen schwer in seinen Charakter reingekommen, aber dann hat es richtig Spaß gemacht, einen 18-jährigen Mann zu schreiben. Das zweite Buch der Trilogie habe ich jetzt vor Kurzem erst fertiggestellt. 


Wie lange schreiben Sie denn dann schon an der Trilogie? 

Der Verlag möchte die Bücher mit wenig Abstand herausbringen, vielleicht mit jeweils neun oder zehn Monaten Wartezeit. Deshalb war es wichtig, dass ich die Bücher schon vorher fertigstelle. Das erste Buch habe ich vor zwei Jahren angefangen und nach etwa einem Jahr fertig gehabt, beim zweiten war es etwa genauso lange. 


Ist es schwierig, so lange zu schreiben und fast niemandem etwas darüber verraten zu dürfen? Die Fans sind ja auch immer neugierig. 

Ich habe einige Autorenfreunde, mit denen ich Geschichten und Ideen immer mal wieder bespreche. Brainstorming mit Freunden ist sehr hilfreich. Aber natürlich müssen diese Freunde dann auch Stillschweigen bewahren! 










Gelöscht-Reihe (Trilogie)







Einzelbände









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Kommentare:

  1. Hallo :D

    Ich finde es cool, dass du sie interviewen durftest. Das Interview ist toll ^^
    Ich persönlich kenne nicht viele Bücher von ihr. Auf jeden Fall wollte ich die Gelöscht Reihe lesen.
    Sie soll echt toll sein.

    LG Mel

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  2. Wow! Es freut mich für dich, dass du Teri Terry interviewen durftest. Ich habe doch einige ihrer Bücher gelesen, die Slated-Trilogie mochte ich besonders gern. Schönes Interview!

    LG Nicole

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  3. Huhu!

    Wow, was für ein tolles Interview! Die Bücher der Autorin sind auch echt genial und sie scheint eine richtig liebenswerte und offenherzige Person zu sein! Toll was du alles herausfinden konntest!

    Liebe Grüße
    Samy

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